Im Jahr 1871 prognostizierte Dmitri Mendelejew mit Hilfe des von ihm entwickelten Periodensystems ein neues, Eka-Bor
genanntes Element, welches sich später als Scandium herausstellen sollte.
Der schwedische Chemiker Lars Fredrik Nilson, der Mendelejews Voraussagen kannte, fand 1879 in Uppsala in den Mineralen
Gadolinit und Euxenit ein unbekanntes Element. Bei der spektralanalytischen Untersuchung entdeckte er neue Linien im Spektrum, die er dem neuen Element zuschrieb.
Anschließend isolierte Nilson aus mehreren Kilogramm der Minerale durch fraktionierte Kristallisation und Reduktion mit
Natrium erstmals elementares Scandium in Form eines grauen Pulvers.
Der Name Scandium leitet sich von „Scandia“ ab, der lateinischen Bezeichnung für Skandinavien, der Heimatregion Nilsons
und der Fundorte der Minerale.
Scandium ist ein silberweißes, weiches und leichtes Metall mit einem typischen metallischen Glanz. Es ist paramagnetisch
und zeigt in reiner Form eine hexagonale Kristallstruktur.
Scandium ist relativ unedel und löst sich unter Wasserstoffentwicklung in verdünnten Säuren wie Salzsäure oder
Schwefelsäure. In konzentrierten Säuren oder Laugen erfolgt aufgrund einer Passivierung durch Oxidbildung keine Reaktion. An der Luft ist es bei Raumtemperatur beständig, bildet aber eine dünne
Oxidschicht. Bei höheren Temperaturen verbrennt es in Sauerstoff zu Scandium(III)-oxid. Mit Halogenen reagiert es bei erhöhten Temperaturen zu den entsprechenden
Trihalogeniden.
Scandiumverbindungen ähneln stark denen der Lanthanoiden und des Aluminiums. Mit Aluminium bildet es Legierungen, die eine
hohe Festigkeit bei geringem Gewicht aufweisen.
Bei der langsamen Abkühlung von geschmolzenem Scandium entstehen gut ausge
bildete Kristalle. Die Kristallisation gelingt umso besser, je langsamer der Prozess und je reiner das Scandium
ist.
Aufgrund der Seltenheit und der hohen Produktionskosten wird Scandium nur in geringem Umfang industriell
verwendet.
Der Großteil des produzierten Scandiums geht in Legierungen, insbesondere mit Aluminium. Scandium-Aluminium-Legierungen (z.
B. Al-Sc mit 0,1–0,3 % Sc) werden in der Luft- und Raumfahrt sowie im Sportgerätebau (Baseballschläger, Fahrradrahmen) eingesetzt, da sie eine hohe Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und
Schweißbarkeit bieten.
Scandium(III)-oxid wird als Zusatz in Hochleistungs-LEDs und in Keramiken für Brennstoffzellen verwendet. Scandiumiodid
findet Anwendung in Metalldampflampen, um ein tageslichtähnliches Spektrum zu erzeugen.
In der Kerntechnik dient Scandium aufgrund seines hohen Neutroneneinfangquerschnitts als Tracer oder in Legierungen für
Reaktorbauteile.
Für Scandiummetall existieren nur begrenzte toxikologische Daten. Elementares Scandium gilt als wenig toxisch, kann
aber mechanisch reizend auf Haut, Augen und Atemwege wirken. Scandiumverbindungen, insbesondere lösliche Salze, können allergische Reaktionen oder bei längerer Exposition Nierenschäden
verursachen.
Scandium ist nicht korrosiv gegenüber den meisten Metallen, sollte aber getrennt von stark oxidierenden Stoffen
gelagert werden. Bei der Verarbeitung ist auf Feinstaub zu achten, da dieser entzündlich sein kann